Bahn unter Manipulationsverdacht
Bahn unter Manipulationsverdacht, Pixabay/Foto illustrativ

Nach Recherchen eines Magazins soll die Deutsche Bahn absichtlich Züge gestrichen haben, um ihre Pünktlichkeitsbilanz zu verbessern. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, doch die Gewerkschaft der Lokführer bestätigt entsprechende Beobachtungen.

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Mario Reiß wirft Deutsche Bahn Manipulation vor

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) bekräftigt die Anschuldigungen. GDL-Chef Mario Reiß erklärte, dass Mitglieder seit Langem von solchen Vorgängen berichten. Laut internen Nachrichten sollen Züge bewusst gestrichen worden sein, um Statistiken zu verschönern.

Das Magazin berichtete über zwei Fälle im September. In beiden wurden Züge mit starker Verspätung gestoppt. Passagiere mussten auf Alternativen ausweichen. In einer internen Nachricht hieß es: „Zug fällt zur Verbesserung der Statistik ab Köln aus“. Mehrere Mitarbeiter hätten bestätigt, dass diese Praxis im Unternehmen bekannt sei.

Regeln zur Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn

Ein Halt gilt bei der Bahn als pünktlich, wenn er höchstens 6 Minuten verspätet ist. Im vergangenen Monat erreichten nur rund 60 Prozent der Fernzüge diese Vorgabe. Hintergrund ist, dass ausgefallene Züge nicht in die offizielle Statistik eingehen.

Zusätzlich wird eine zweite Statistik erhoben. Dabei wird die pünktliche Ankunft am Zielbahnhof bewertet. In diese Berechnung fließen Zugausfälle ein. Im August lag diese Quote im Fernverkehr bei 66 Prozent.

Regeln zur Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn
Regeln zur Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn, Foto: Pixabay

Wichtige Kennzahlen

  1. 60 Prozent der Fernzüge erreichten im letzten Monat die Vorgabe.
  2. 66 Prozent der Reisenden kamen im August pünktlich an.
  3. Ausgefallene Züge beeinflussen nur die Reisenden-Pünktlichkeit.

Reaktion des Konzerns und Kritik der Gewerkschaft

Die Bahn wies den Bericht entschieden zurück. Das Unternehmen erklärte, keine Statistiken zu manipulieren. Vorzeitige Fahrtabbrüche könnten sinnvoll sein, um schnelle Umstiege zu ermöglichen. Die Verknüpfung von Aussagen verschiedener Systeme sei unzutreffend.

Die GDL kritisiert diese Darstellung scharf. Reiß wirft der Konzernspitze Zahlentricks und Ablenkung vor. Er forderte eine klare Verantwortung an der Spitze sowie eine Reform der maroden Strukturen.

Rücktritt von Richard Lutz und politische Reformpläne

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gab vor einem Monat bekannt, dass Vorstandsvorsitzender Richard Lutz seinen Posten räumen muss. Der 61-Jährige stand wegen hoher Verspätungszahlen seit Jahren unter Druck. Als er 2017 die Leitung übernahm, lag die Quote bei 78,5 Prozent. Inzwischen fiel sie zeitweise deutlich unter 60 Prozent.

Der Konzern verzeichnete zuletzt einen dreistelligen Millionenverlust. Auch wenn das Minus geringer ausfiel als im Vorjahr, blieb die Bilanz negativ.

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag bereits eine Reform angekündigt. Geplant sind Veränderungen im Aufsichtsrat und Vorstand. Verkehrsminister Schnieder sprach zuletzt von einer dramatischen Lage. Lutz soll die Geschäfte noch so lange führen, bis ein Nachfolger gefunden wird.

Nachfolgeentscheidung steht bevor

Die Bekanntgabe eines Nachfolgers könnte am Montag erfolgen. Dann will Schnieder in Berlin seine Bahnstrategie vorstellen. Es wird erwartet, dass dabei auch Eckpunkte der angekündigten Reform vorgestellt werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Konzern in Zukunft neu aufgestellt werden soll.

 Quelle: Reise Reporter